Rumänien ist immer eine Reise wert

Jahresrüstzeit vom 28.09. – 05.10.2013

Zu zehnt fallen wir in Pruden (Prod) ein. Wir sind in diesem Jahr eine kleine Gruppe. Unser Reiseleiter Rüdiger und Martina, Thomas und Manuela, Christian und Roswitha, Johannes, Annerose, Damaris und Markus. Die letzten Kilometer zu unserer Unterkunft sind eine wahre Herausforderung. Müde und abgespannt nach 16-stündiger Autofahrt stellen wir uns den rumänischen Straßenverhältnissen fernab der Hauptstraße. Die Teerstraße geht in eine Schotterpiste mit riesigen Kratern über, wo man einem Loch ausweichend, unweigerlich im nächsten landet.

Berge
Rumänische Berge im Morgenrot

Schrecksekunde in der Dunkelheit. Ein Kinderwagen liegt am Straßenrand. Haben wir jemanden überfahren? Bei Tag betrachtet sieht man dann, dass der Wagen seine besten Tage hinter sich hat. Dergleichen Müllentsorgung sieht man bei uns in Deutschland leider auch recht oft. Blaue Müllsäcke am Straßenrand oder im Naherholungsgebiet. Einfach furchtbar.

Einen Kilometer weiter kommt uns ein Pferd entgegen. Natürlich ohne Licht. Sein Besitzer wird wohl noch einen Gute-Nacht Schluck in der Bar nehmen. Das Tier kennt den Weg nach Hause und hat keine Lust, noch länger auf seinen Herrn zu warten.

Wir drosseln die Geschwindigkeit auf 20 km/h. Irgendwann kommen wir doch glücklich und unfallfrei in der Unterkunft an.

Pruden - Prod
Pruden – Prod

Der Sonntag startet zunächst sonnig. An diesem Tag ist ein Gottesdienst in Arkeden, geplant. Arkeden liegt ca. 24 km von Schäßburg (Sighişoara), entfernt. Inmitten des Dorfes befindet sich die gewaltige, im Bau befindliche Kirchenburg, die um 1341 erstmals erwähnt wurde. Dank der EU, werden die Baudenkmäler nicht mehr dem Verfall preisgegeben. Viele nette Menschen verbringen ihre Freizeit in Arkeden um beim Wiederaufbau und der Restauration zu helfen. Pfarrer Johannes Halmen, Dechant des Schäßburger Kirchenbezirkes, feiert im Anschluss an den Gottesdienst mit allen Besuchern seinen Geburtstag. Im Garten genießen wir ein liebevoll zubereitetes Essen.

Geburtstagstisch
Geburtstagsfeier in Arkeden

Wie an Geburtstagen üblich, wollen wir Pfarrer Halmen etwas schenken. Wir entschließen uns für ein Apfelbäumchen. Leider gestaltet sich die Beschaffung etwas schwierig. Zunächst wird ein Gutschein überreicht. Das Bäumchen später aus Deutschland eingeführt und in Rumänien mit Zweigen des Batull-Apfelbaumes, einer alten, einheimischen Sorte gepfropft. Mal sehen, wann wir seine ersten Früchte genießen können.

Zum Abschluss gibt Benjamin Schaser allen Interessierten eine Führung durch die Kirchenburg. Es gibt noch viel zu tun.

Totale vom Pfarrhaus und der Kirchenburg
Totale vom Pfarrhaus und der Kirchenburg

Der Wetterbericht sagt für Montag schönes Wetter voraus. Und weil selbst der Urlaub einiger Planung bedarf, planen wir den Tag zur individuellen Nutzung frei zuhalten. Leider macht dann das Wetter fast alle Aktivitäten zunichte. Der Blick nach draußen, früh am Morgen, verheißt nichts Gutes. Es regnet und soll die nächsten drei Tage nicht wieder aufhören. Trotzdem beschließen die Wanderfreunde Thomas, Rüdiger, Markus und Johannes dem höchsten Gebirge Rumäniens, das Făgăraș, einen Besuch abzustatten.

Start ist morgens um 6:00 Uhr, vielleicht hört der Regen auf….

Sie befahren die Transfogarascher Hochstraße zum Bâlea-See. Ab 2000 Meter Höhe geht der Regen dann in Schnee über. Aus der Wanderung wird leider nichts. Was liegt da näher als eine zünftige Schneeballschlacht und Schneemann bauen?

Auf der Rückfahrt besuchen sie Kronstadt (Braşov) und die Burg von Reps (Rupea).

Manuela und Damaris sind bei Christiane Fischer in Rautal angemeldet. Sie wollen die herrliche Landschaft Rumäniens auf dem Rücken der Pferde erkunden. Leider wird der Ausflug zunächst auf Christianes Küche beschränkt. Es regnet und regnet.

16:00 Uhr, oh welch Wunder, ein kurzes Zeitfenster in dem es trocken ist. Sie wagen es und reiten los. Leider wird es eine kurze Runde. Erneut einsetzender Regen macht auch hier wieder einen Strich durch die Rechnung.

...liegt das Glück dieser Erde
…liegt das Glück dieser Erde.

In Pruden laufen unterdessen die Vorbereitungen für die Kinderfeste in Wolkendorf (Vulkan) und Pruden. Es werden Päckchen gepackt, das Schauspiel zur biblischen Geschichte geprobt, Lieder eingeübt usw.

Die Kinderwippe wird aufgebaut.
Die Kinderwippe wird aufgebaut.

Christian ist der Chef über den Bau und die Reparatur der Wippe, welche dann zum Kinderfest den Kindern übergeben wird.

Am Dienstag wühlen sich unsere 3 PKW zunächst durch den Schlamm bis zur Hauptstraße nach Daneş vor. Wir werden im Lukas Spital von Lasseln (Laslea) zum Gottesdienst erwartet. Es wird eine wunderbare Zeit voller Emotionen. Wir singen Lieder für die Alten und Kranken. Und nicht nur bei Ihnen kullern Tränen der Freude und Dankbarkeit. Anschließend begleitet uns Pfarrer Martin Türk-König nach Albeşti bei Schäßburg zum „Haus des Lichts“. Das „Haus des Lichts“ ist eine Einrichtung der Stiftung Pentru Familia Creştină.

Hier befindet sich eine Tagesstätte für behinderte Kinder und Jugendliche. Auch haben junge, allein stehende Mütter Aufnahme gefunden. Wir staunen, wie sich alles entwickelt hat. Außerdem befindet sich im „Haus des Lichts“ das Zentrallager der Aktion „Weihnachtsfreude“. Hier landen alle Päckchen und Pakete, die Weihnachten an die verschiedenen Einrichtungen und Familien verteilt werden.

Am Abend geht es nach Daneş zum „Dracula“. Wir gönnen uns ein leckeres Abendbrot in gemütlicher Gastlichkeit.

Am Mittwoch findet der Arbeitseinsatz und das Kinderfest in Wolkendorf statt. Theo Halmen erwartet uns schon. Bewaffnet mit Arbeitskleidung, Kuchen und Würstchen fürs Kinderfest, Kostüme für die bibl. Geschichte usw. geht es los. Natürlich bei Regen. Für die ca. 40 km benötigen wir eine Fahrzeit von 1,5 Stunden.

Beim Projekt „Theo“ in Wolkendorf gibt es eine Menge zu tun. Die Männer hieven 3 Betonplatten a 300kg auf die Klärgrube, die zuvor entschlammt werden musste. Des weiteren wird Fußboden begradigt, Putz abgehackt, Aufräumungsarbeiten im Keller, Bretter entnagelt usw. Auch die Kirche wird festlich vorbereitet.

Schwerstarbeit in Wolkendorf.
Schwerstarbeit in Wolkendorf.

Anne-Marie Halmen kocht mittags eine leckere Suppe für die fleißigen Helfer. Es tut gut, sich am warmen Ofen aufzuwärmen. Am Nachmittag findet das Kinderfest statt.

Vor der Kirche warten 40 Kinder und ein paar Erwachsene geduldig auf Einlass. Auch wir sind aufgeregt. In der Kirche geht es doch etwas beengt zwischen Baumaterial und Bänken zu. Wir müssen uns keine Sorgen machen. Mit fröhlichen Mit-Mach Liedern finden wir sehr schnell einen Draht zueinander. Eben noch voll Schlamm aus der Klärgrube, wird Rüdiger unversehens zum König AHAB gekrönt. Annerose ist sein Weib ISEBEL. Wir spielen die Geschichte des Elia. Martina erzählt, Theo übersetzt ins Rumänische.

Auch die anschließende Bastelarbeit kommt gut an. Die Kinder fertigen Buttons zum anstecken. Später gibt es lecker Kuchen und Würstchen. Zum Abschluss bekommt jede Familie einen Geschenkbeutel.

Fix und fertig, aber zufrieden fahren wir am Abend zurück.

 

Donnerstag klart das Wetter auf. Es regnet nicht mehr, ist aber immer noch sehr kalt. Der Vormittag ist wieder gefüllt mit Vorbereitungen für das nächste Kinderfest. Kuchen backen, Einkaufen auf dem Wochenmarkt in Schäßburg und weitere organisatorische Dinge.

Nach erfolgreicher Premiere der Elia Geschichte, sind die Schauspieler heute richtig in Fahrt. Wir haben viel Platz in der Kirche und es wird ein tolles Fest. Auch heute kommen ca. 40 Kinder. Dazu einige Eltern und Großeltern.Wir begrüßen sehr herzlich den orthodoxen Pfarrer, der mit seinen Kindern in die evangelische Kirche kommt.

Die Buttons kommen auch hier sehr gut an. Manu wird regelrecht belagert. Doch bald hat jedes Kind seinen Button. Es wird gegessen und getrunken und danach gehen wir zur feierlichen Einweihung der Wippe. Wie das abgeht, seht Ihr selbst.

Neue Kinderwippe in Pruden.
Neue Kinderwippe in Pruden.

Zum Abschluss bekommt auch hier jede Familie einen Geschenkbeutel.

Am Abend wird gefeiert. Unsere Übersetzerin Carmen ist mit ihrer Familie zu Gast. Carmen hat Geburtstag und ihr Mann Marcel überrascht alle mit einer eigens gebackenen Geburtstagstorte. Leider wird auch Abschied gefeiert. Der erste PKW fährt Freitagmorgen zurück gen Heimat.

Pfarrhaus Pruden im Herbst 2013.
Pfarrhaus Pruden im Herbst 2013.

Die Zeit war wie immer, viel zu kurz.

Aber alle wissen, nächstes Jahr zur selben Zeit heißt es wieder:
Auf nach Rumänien! Wir werden erwartet!

Bericht von Manuela Oertel